Frauke und Holger Sonnabend
Frauke und Holger Sonnabend

Reisebericht aktuell

Der Libanon Oktober/November 2021

 

In Europa wird der Libanon gegenwärtig nur als krisengeschütteltes Land wahrgenommen.

Tatsächlich gibt es viele Probleme – wirtschaftliche, politische, religiöse. In Beirut sind die Spuren der Explosion im Hafen vom August 2020 immer noch nicht vollständig beseitigt. Das Regierungszentrum ist abgesperrt, weil es wegen der Frage der Verantwortlichkeit für diese Katastrophe zu Unruhen kommt. An der Grenze zu Syrien reiht sich Flüchtlingslager an Flüchtlingslager. Die Grenze zu Israel gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Die Wahlen im März 2022 werfen ihre Schatten voraus.

Tyros

Unsere Reise aber zeigte uns auch einen ganz anderen Libanon. Freundliche, hilfsbereite Menschen, die glücklich sind, Besucher aus dem Ausland begrüßen zu dürfen; kulinarische Köstlichkeiten; moderne Hotels und eine funktionierende touristische Infrastruktur (sieht man einmal von den häufigen, aber kurzen Stromausfällen ab …). Und vor allem natürlich eine große Geschichte. Hier waren die Phönizier zu Hause, die von den Städten Tyros, Sidon und Byblos (der ältesten, kontinuierlich besiedelten Stadt der Welt) aus ein globales Handelsimperium gründeten, das sich über den gesamten Mittelmeerraum bis nach Spanien erstreckte. Beladen waren die Schiffe mit dem begehrten Zedernholz und den mit Purpur gefärbten Stoffen. Spaziert man heute durch die Ausgrabungen von Tyros und Byblos, ist der Reichtum der Phönizier noch unmittelbar spürbar. Und überall stößt man auf Zeugnisse der phönizischen Religion, wie im faszinierenden Tempel des Heilgottes Eshmoun bei Sidon, in dem auch andere Göttinnen und Götter wie Astarte und Baal verehrt wurden.

In Baalbek

Die Ressourcen des Libanon lockten natürlich auch viele fremde Völker an. Nach der Glanzzeit der Phönizier gaben sich Assyrer, Babylonier, Perser und Griechen die Klinke in die Hand. Alexander dem Großen war das Land so wichtig, dass er auch vor einer mehrmonatigen Belagerung des ruhmreichen Tyros nicht zurückschreckte. Selbstverständlich durften auch die Römer nicht fehlen. Sie machten den Libanon, wo sich in der Antike die wichtigsten Handelswege zwischen Orient und Okzident kreuzten, zu einem Schaufenster ihrer Macht und finanziellen Leistungsfähigkeit. Auf ihr Konto gehen der größte Tempel der Antike sowie der besterhaltene Tempel der Antike. Zu bewundern sind diese einzigartigen Bauwerke in der Stadt Baalbek. Die Heiligtümer des Jupiter und des Bacchus gehören deswegen zu den absoluten Perlen, die der Libanon zu bieten hat. Auch die Araber, die im 7. Jahrhundert die Regie übernahmen, haben beeindruckende historische Spuren hinterlassen. So liefert die Omaijadenstadt Anjar vor der imposanten Kulisse des Antilibanon-Gebirges ein herausragendes Beispiel für Wirtschaft, Religion und Architektur in einer frühen arabischen Metropole.

Die Tropfsteinhöhle von Jeita

Aber nicht nur die einzigartige Geschichte stand auf dem Programm unserer Reise. Wir bewunderten auch Klöster, Kirchen und Naturdenkmäler, wie die atemberaubende Tropfsteinhöhle von Jeita. Hier waren wir, wie in Baalbek und den anderen historischen Stätten, ganz allein – ein unglaubliches Privileg angesichts der Tatsache, dass sonst hier viele Touristen unterwegs sind. Schließlich zählte zu den Höhepunkten dieser unvergesslichen Reise auch eine Wanderung durch die Zedernwälder des Libanon, die einst, unter den Phöniziern, für den Reichtum des Landes verantwortlich gewesen sind.

 

Beim Abschied war uns klar: Wir werden wiederkommen!

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