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Holger Sonnabend - Geschichte aktuell

Das Siegesdenkmal von La Turbie: Wie die Römer die Unterwerfung der Alpenvölker feierten

 

Oberhalb von Monaco, im Departement Alpes-Maritimes im Süden Frankreichs, befindet sich in der Gemeinde La Turbie ein ganz besonderes historisches Monument. Das „Tropaeum Alpium“ erinnert an die Eroberung der Alpen und die Unterwerfung der Alpenvölker durch den römischen Kaiser Augustus in den Jahren 16/15 v. Chr.

Augustus

Durch Kaiser Augustus? Diese Formulierung trifft nicht ganz zu. Wie fast immer, war der Kaiser persönlich nicht dabei, wenn die Legionen unterwegs waren. Meistens wurde er dann rechtzeitig krank, aber nur so lange, bis die Gefahr vorüber war. Dann ließ er sich gern als Sieger und Triumphator feiern. In die Alpen schickte Augustus seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius – die Söhne seiner Frau Livia aus erster Ehe. Ihr Auftrag lautete: Die keltischen Völkerschaften der Alpen unter Kontrolle zu bringen. Und: Herstellung einer Infrastruktur durch den Bau von Straßen, Pässen und Brücken. Der Auftrag wurde erfolgreich ausgeführt. Schon bald konnten die Stiefsöhne dem Kaiser melden: Die Alpen sind römisch. Und sie konnten ihm spannende Geschichten erzählen, etwa wie Drusus durch das Etschtal über den Brenner bis zum Inn gelangt war und wie Tiberius am Bodensee gekämpft hatte.

Augustus war entsprechend beeindruckt. Nun galt es aber, den Sieg so zu würdigen, dass er im Gedächtnis der Menschen haften bleiben würde. Wie man solche Siege dokumentierte, hatten die Griechen den Römern vorgemacht; Man brauchte ein „Tropaion“ (das war der griechische Originalbegriff, latinisiert wurde daraus „Tropaeum“). Ein „Tropaion“ war bei den Griechen ein Denkmal, das an jener Stelle errichtet wurde, wo es gelungen war, den Gegner in einem Gefecht in die Flucht zu schlagen (griechisch „trepein“ heißt so viel wie „wenden“ oder „sich umdrehen“). In der Regel suchte man sich einen Pfahl oder einen Baumstumpf, an dem man die dem Gegner abgenommenen Beutestücke wie Waffen, Helme und Rüstungen hängte.

Ein Baumstumpf? Das war eines Augustus natürlich nicht würdig. Ein Augustus ging nicht mit einem Baumstumpf in die Geschichte ein. Etwas ganz Besonderes sollte es sein, was an den Sieg über die Alpenvölker erinnerte. Und so machten sich die Konstrukteure, Ingenieure und Architekten an die Arbeit. Und was sie dem Kaiser schließlich präsentierten, konnte sich sehen lassen.

Tropaeum Alpium

Das „Tropaeum Alpium“, das Siegesdenkmal oben in den Seealpen, wurde 7/6 v. Chr. feierlich eingeweiht. Der Standort war gut gewählt: Hier führte die Via Iulia, die römische Küstenstraße nach Gallien, entlang. So konnten viele Menschen, die von Italien nach Südfrankreich oder von Südfrankreich nach Italien unterwegs waren, das Monument gebührend bestaunen. Es erhebt sich in eine Höhe von 50 Metern und präsentiert sich in der heute perfekt restaurierten Form als von Säulen umgebener Rundbau mit Triglyphenfriesen. Damit die Passanten aber auch wussten, worum es sich hier eigentlich handelte, wurde am Sockel eine Inschrift angebracht, in der die glorreichen Erfolge in den Alpen gepriesen wurden. Die originale Inschrift ist nur noch in Fragmenten erhalten. Zum Glück hat der römische Universalgelehrte Plinius (der Ältere) den Text der Nachwelt überliefert. In buchhalterischer Genauigkeit wurden dabei 46 Stämme und Völkerschaften aufgezählt, die während der Feldzüge von der römischen Armee unterworfen wurden – sauber geordnet von Osten nach Westen. Wer bis dahin noch nicht Namen wie Trumpiliner, Rugusker oder Acitavonen gehört hatte, konnte dieses gravierende Defizit bei der Lektüre der Inschrift vom Tropaeum Alpium nun schnellstens beheben.

486 Meter hoch ist der Bergvorsprung, auf dem das Siegesmal errichtet wurde. Worauf antike Besucher verzichten mussten, ist der grandiose Blick hinunter auf das Fürstentum Monaco, den man von hier aus genießen kann. Das hätte auch Augustus gefallen.

Weniger gefallen hat ihm, dass der eigentliche Zweck der Alpenerschließung komplett verfehlt wurde. Letztlich waren die Aktionen seiner Stiefsöhne als Startschuss zur Eroberung des freien Germanien gedacht. Diese Träume endeten ein paar Jahre später (9 n. Chr.) in der desaströsen Varus-Schlacht im Teutoburger Wald. Das war für die Römer nun wirklich kein Anlass, ein Denkmal zu errichten. Eher für die Nachfahren der damaligen Germanen, die im 19. Jahrhundert am falschen Ort (Detmold) das Hermanns-Denkmal aufstellten. Eigentlich gehört es nach Kalkriese, dem wirklichen Schlachtort.

Solche Sorgen hatten die Römer nicht, als sie das Denkmal von La Turbie bauten.