Es gibt Neuigkeiten bei den Reisen:

 

Unser Programm für Kreta Spezial ist da!

 

 

 

  

Geschichte spannend, attraktiv und kompetent präsentiert.

Holger Sonnabend - Geschichte aktuell

Rom 21

 

Er habe, so lautet ein berühmter Ausspruch des Kaisers Augustus, eine Stadt aus Ziegeln vorgefunden und hinterlasse eine Stadt aus Marmor. Der Kaiserbiograph Sueton, der diesen viel zitierten Satz überliefert, fügt hinzu: Die Hauptstadt des Reiches sei nicht so ausgestattet gewesen, wie es der Würde des Imperiums entsprochen hätte. Man darf hinzufügen: wie es der Würde und noch mehr dem Ruhm des Augustus entsprach.

Haus des Augustus auf dem Palatin

Als versierter Politiker und begnadeter Selbstdarsteller wusste der erste Kaiser, dass Bauten nicht nur dazu da waren, Städte zu verschönern, sondern auch dem Auftraggeber Prestige zu verschaffen. Und so war Rom in der langen Regierungszeit des Augustus, von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr., eine Dauerbaustelle. Es entstanden das Forum des Augustus, der Tempel des Mars Ultor, der Tempel des Apollon (gleich in der Nachbarschaft zum bescheidenen Haus des Kaisers auf dem Palatin), das später von Hadrian ausgebaute Pantheon, der Friedensaltar (Ara Pacis) auf dem Marsfeld und viele andere Gebäude, die bis heute Besucher der ewigen Stadt am Tiber in ihren Bann ziehen. Probleme mit der Finanzierung gab es nicht, weil der Kaiser tief in die Tasche (seine eigene und die des Staates) griff und Verzögerungen wie auf modernen Baustellen kein Thema waren. Auch um die Infrastruktur kümmerte sich der Herrscher, nicht so sehr, weil sie ihm eine Herzensangelegenheit war, sondern weil er wusste, dass die Menschen entsprechende Maßnahmen von einem umsichtigen Herrscher verlangten. Also baute Augustus auch Wasserleitungen, Straßen und Kanäle.

Wohnhäuser unter dem Celio

Aber hinterließ Augustus der Nachwelt tatsächlich eine Stadt aus Marmor? Uns kann er damit nicht meinen, sagten die einfachen Menschen, wenn sie sich in ihrer engen Wohnung in einer der vielen, teils drei bis vier Stockwerke hohen Mietskasernen umsahen, die aus Ziegeln, Holz und Lehm gebaut worden waren. Und es wurde ihnen klar, dass der Spruch des Kaisers sich allein auf die öffentlichen Megabauten bezog, die Rom zu einem Schaufenster kaiserlicher Macht werden lassen sollten. Tatsächlich hätte es in Rom auch nach Augustus nicht so oft brennen dürfen, wäre die Stadt wirklich eine Marmorstadt gewesen. Dann hätte es 64 n. Chr. auch den verheerenden Brand von Rom nicht gegeben, den Kaiser Nero zum Anlass nahm, die gigantische Palastanlage der Domus Aurea, des jetzt wieder zugänglichen "Goldenen Hauses", zu bauen.

Geld zum Bauen war auch unter den Nachfolgern des Augustus genug vorhanden. Dabei muss man mit dem Vorurteil aufräumen, dass es vor allem Sklaven waren, die bei den Bauarbeiten zum Einsatz kamen. Vielmehr verdienten Tausende von Menschen - freie Lohnarbeiter oder saisonal eingesetzte Kräfte - auf diese Weise ihren Lebensunterhalt. Kaiser Vespasian, der von 69 bis 79 n. Chr. regierte, erwies sich dabei als vorbildlicher, verantwortungsvoller Arbeitgeber. Als gerade Arbeiten auf dem Kapitol in Gange war, erschien bei ihm ein Ingenieur mit Plänen unter dem Arm, die es ermöglichen sollten, schwere Säulen mit technischen Apparaturen ohne großen Aufwand auf den Hügel zu schaffen. Der Kaiser belohnte den findigen Techniker fürstlich, lehnte das Angebot aber dankend ab mit der Begründung, er möge ihm doch erlauben, sein Volk zu ernähren. Die demoskopischen Zustimmungswerte für den Kaiser stiegen nach dieser großherzigen Aktion in schwindelerregende Höhen.

Wer es sich leisten konnte, eiferte den Kaisern nach und investierte viel Geld in privaten Wohnluxus. Ein herausragendes, wenngleich wenig bekanntes Beispiel ist der kaiserzeitliche Wohnkomplex unter der Basilika Santi Giovanni e Paolo auf dem Caelius-Hügel, den die Römer heute Celio nennen. Dort entdeckten Archäologen üppig ausgestattete Räume mit prächtigem Fresken an den Wänden und Decken, die man heute bei einem spannenden Gang in die römische Unterwelt besichtigen kann.